31 März

Im Polizeianhaltezentrum PAZ

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Im Polizeianhaltezentrum PAZ

Wie war das am Dienstag um 8 Uhr mor­gens? Wie habt ihr mitgekriegt, dass die Polizei anrückt und welche Rolle hattest du?

ISI: M (einer der Aktivist: innen) kam in die Pyramide gestürmt und schrie ungefähr zehn Mal laut: »Polizei«. Die meisten haben noch geschlafen. Wenige Sekunden später war die ganze Pyramide voll mit Polizist*innen. Meine Rolle war die des Polizei-Kontaktes, das ist eine vermittelnde Rolle zwischen Polizei und Aktivist: innen.

 

Und wie hat die Polizei darauf reagiert, dass du gesagt hast, du willst mit ihnen reden?

ISI: Sie haben gesagt, ich soll nochmal in die Pyramide gehen und den anderen mit­teilen, dass sie zehn Minuten Zeit hätten, ihre Sachen zu nehmen und den Ort zu ver­lassen. Dem wollten die Aktivist:innen natürlich nicht Folge leisten und zwei Per­sonen haben es sogar noch geschafft, sich anzuketten. Die anderen sind einfach sitzen geblieben. Dann war ich noch kurz oben im Turm, um zu schauen, ob noch jemand oben oder in den Tripods ist. Daraufhin sind zwei Polizisten gekommen und haben gesagt, ich soll sofort runter kommen, sonst tragen sie mich runter. Dem hab ich dann Folge geleistet, und auf dem Weg zu dem Einsatzleiter bin ich auch schon unsanft festgenommen worden.

 

Was meinst du mit »unsanft«?

ISI: Sie haben mich raus auf die Straße zu den Polizeiautos gebracht. Dabei hat einer meine Hand umgebogen, was ziemlich schmerzhaft war und das obwohl ich mehr­mals gesagt habe, er möge das bitte unter­lassen, da ich keinen Widerstand leiste. Beim Auto hab ich ihnen dann mitgeteilt, sie mögen mich doch bitte wieder zurück­gehen lassen, um weiter zu vermitteln. In diesem Fall hätte ich sogar meine Identität preisgegeben. Das war jedoch nicht möglich sie haben mich zuerst in das Polizei-Fahrzeug gesperrt und dann ins PAZ gebracht.

 

Was ist dann im PAZ passiert? Wie ist es dir ergangen?

ISI: Zuerst waren wir zu zweit in einer Zelle und die anderen gleich neben uns. Ich hab so hysterisch herumgeschrien und geweint, dass ich kaum mehr Luft bekommen hab und erst nach mehrmaligen Nachfragen haben wir zumindest einen Becher mit Was­ser bekommen. Dann haben wir uns einzeln in einem abgetrennten Bereich vor einer Beamtin ausziehen müssen und sind gemes­sen und gewogen worden. Anschließend haben sie mich in eine Einzelzelle gesperrt. Davor konnte ich noch die Rechtshilfe anru­fen.

Gemessen und gewogen? Haben sie das begründet?

ISI: Nein, aber ich schätze, das war zur Identitätsfeststellung. Als ich dann erfahren habe, dass sie schon begonnen haben, die Bäume zu roden, hab ich beschlossen, meine Identität preiszugeben, da das die einzige Möglichkeit war, wieder raus zu kommen.

 

Wie wird es weiter gehen? Werden wir die Stadtstraße verhindern können?

ISI: Aufgeben oder Pause machen können wir uns nicht leisten. Der Klimawandel schreitet stetig voran und macht auch keine Pause. Daher werden wir so lange weiter machen, bis wir erreicht haben, was wir for­dern. Bezüglich der Stadtautobahn bin ich zwar optimistisch, dass wir diese noch ver­hindern werden. Leider ist die immer noch andauernde Attraktivierung des motorisier­ten Individualverkehrs aber nicht der ein­zige Missstand in unserer Gesellschaft. Selbst wenn wir die Autobahn verhindern, ist es noch ein weiter Weg zu einer gerech­ten und lebenswerten Welt für alle ihre Bewohner:innen.

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