Obama und Trump: beeindruckende Inszenierungen Karl Reitter Orig. Foto: Tomas CC BY 2.0 / Flickr
22 Januar

Obama und Trump: beeindruckende Inszenierungen

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Was haben der alte und der neue Präsident der Vereinigten Staaten gemeinsam? Sie sind offenbar Meister in medienwirksamen Inszenierungen. Obama hat es geschafft, sich acht Jahre lang als Bürgerrechtskämpfer darzustellen. Die Zerstörung Libyens, die Aufrüstung einer radikal-islamistischen Opposition in Syrien, der offen unterstützte Putsch in der Ukraine, die Ermordung von missliebigen Personen weltweit durch Drohneneinsatz, die permanente Aufrüstung der US-Streitkräfte und Waffenverkäufe von US-amerikanischen Konzernen an diktatorische Regime in nie dagewesener Höhe – all das hatte offenbar mit dem Wirkens des Mannes im Weißen Haus nichts zu tun.

Obama war dann präsent, wenn es um tatsächlich positive Entscheidungen ging, wie die Lockerungen der Sanktionen gegen den Iran und die Entspannungspolitik gegenüber Kuba. Publikumswirksam ging die gesamte Familie Obama anlässlich des 50. Jahrestags der Protestmärsche von Selma nach Montgomery Hand in Hand mit Veteranen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung über die Edmund Pettus Brücke in Alabama.

Trump ist da aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er lässt offenbar keine Gelegenheit aus, um rassistische und sexistische Sprüche loszuwerden, pöbelt aggressiv gegen Medien und das Establishment, ergeht sich in kryptischen Versöhnungsangeboten gegenüber Russland um gegenüber China um so drohender aufzutreten. Diese unterschiedlichen Inszenierungen stellen bedeutende Signale an die Gesellschaft dar, das steht außer Zweifel.

Unter Obama mussten sich kritische, antirassistische Kreise bestätigt und ermutigt fühlen. Obwohl sich das »Yes, we can« sehr rasch als »No, we couldn't« entpuppte, sendete die Präsidentschaft Obamas weiterhin emanzipatorische Signale in homöopathischen Dosen aus. Der Wahlsieg Trumps hingegen bestärkt reaktionäre, rassistische und antifeministische Kreise, und das innerhalb und außerhalb der USA.

Schon jetzt zeichnet sind ab, dass Trump offenbar zum Vorbild für viele kleine Mini-Trumps geworden ist, die seine Rhetorik nachahmen werden. Zweifellos eine höchst problematische Entwicklung und nicht zu verharmlosen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es sich letztlich um wohl höchst wirksame, aber doch nur um Inszenierungen handelt. Die tatsächliche Politik der US-amerikanischen Präsidenten steht auf einem anderen Blatt.

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