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10 März

AN MEINE FREUNDINNEN: Von der Vision zum Eingreifen

von

Von Heidi Ambrosch

Anlässlich 100 Jahre Internationaler Frauentag hatte sich 2010 die Plattform 20000frauen gegründet. Der Vielzahl von anstehenden Forderungen wurde mit einer großen Demonstration 2011 Nachdruck verliehen und wir entwickelten unsere gemeinsamen Visionen* als Richtschnur für realpolitisches Handeln. Längst schon war deutlich geworden, dass es nicht nur um ein größeres Stück des Kuchens geht, sondern zumindest um die Hälfte oder um einen ganz anderen Kuchen, ja mehr noch: um die Organisation einer anderen Bäcke­rei, die – wie heute festzuhalten wäre – mehr als einen grünen Farbanstrich braucht und solarenergiebetrieben ist. Grundlegende Fragen sind überfällig, etwa was wir wie produzieren und wie das Pro­duzierte gerecht verteilt wird. Ebenso die

Die Vier-in-einem-Perspektive** stellt einen solchen ganzheitlichen Handlungsan­satz zur Diskussion, in dem sie in Zusam­menhang bringt, was als erlebter Gegensatz daherkommt. Das Stichwort Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in erster Linie immer an uns Frauen gerichtet – modern, also auch für Kinderlose, formuliert im Credo der work-life-Balance. Allein dieser Begriff ist mehr als irreführend, weil es, so scheint es, außerhalb der bezahlten Erwerbsarbeit ein Leben ohne Arbeit gäbe … Was wiederum dazu dient, den Haufen unbezahlter, aber gesellschaftlich notwen­diger und mehrheitlich von Frauen geleiste­ter Arbeit im Verborgenen zu belassen.

Vor den Vorhang

Holen wir das ganze Leben vor den Vor­hang: Neben der bezahlten Erwerbsarbeit, die bestenfalls Hilfe sein sollte, auch unsere Fähigkeiten zu unterstreichen und zu ent­wickeln und die auf jeden Fall existenzsi­chernd sein muss, gibt es den Bereich der sogenannten »Familien- oder Reproduktionsarbeit« sowie die Arbeit an der eigenen Entwicklung und schlussendlich die notwendige Teilnahme an gesellschaftspolitischen Entscheidungsprozessen. ­­­

Die Plattform 20000frauen entwickelte eine Vielzahl außerparlamentarischer Pro­testformen, an denen sich auch grüne und sozialdemokratische Frauen beteiligten. Die Themen, die dabei aufgegriffen wurden, waren allerdings bis auf wenige Ausnah­men von der sonstigen Parlamentsarbeit abgekoppelt. Sieht man von der schwarz- bzw. türkis-blauen Regierungen ab, war es immer der als Entschuldigung dienende Hinweis auf den Koalitionspartner, warum man oder frau diesem oder jenem zustim­men müsse. Etwas verwundert war ich dann schon über den Neusprech im K.u.K.-Gleichklang bei Verkündigung der türkis-grünen Regierungserklärung – sie sei »Das Beste aus beiden Welten«, die als Funda­ment mehr als der verankerte kleinste gemeinsame Kompromiss sei.

Aha – ist es das? Klar, das Ö1-Morgen­journal ohne O-Ton Kickl schont die Magennerven. Aber in der Substanz, den Auswirkungen den programmatischen Vor­haben sehe ich auch weiterhin nur eine Welt mit einem entscheidenden Interes­senskonflikt zwischen den 99 Prozent der Frauenwelt und dem Rest. (Frazer, »Femi­nismus für die 99 %«).

Die budgetären Vorhaben – in Zahlen gegossene Politik – werden in anderen Bei­trägen hinreichend dargestellt. Die damit verbundene weitere Entlastung der Besit­zenden und oberen Einkommensbeziehe­rInnen bedeutet entsprechende Belastun­gen auf der anderen Seite. Deswegen ist es auch regierungslogisch, Frauenpolitik in konservativer Hand zu belassen, denn wer sorgt sich um jene, die den neoliberalen Hochgeschwindigkeitszug nicht erreichen? Aufbegehrende Frauen wie z. B. im Pflege­bereich sind da ein Störfaktor.

Es bleibt auch weiterhin bei uns, den außerparlamentarischen Druck aufrechtzu­erhalten. Es wird sich zeigen, inwieweit die grüne Partei es versteht, diesen nicht nur als unabdingbar für die Schärfung der eige­nen Positionen zu schätzen, sondern auch entsprechend zu fördern, um nicht im Sog nach rechts unterzugehen.

Heidi Ambrosch ist Frauenspre­cherin der KPÖ

*http://zwanzig­tausend­frauen.at/2011/01/unsere-vision/

**www.frigga­haug.inkrit.de

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Gelesen 1031 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 26 März 2020 13:09
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