08 Mai

Österreichische Waffe für die Welt

von

Kriegslärm

Die Geräusche unserer Schritte und das sanfte Knacken der trockenen Äste unter unseren Schuhen werden jäh unterbro­chen. Mit einem ohrenbetäubenden Geräusch ziehen Kampfflugzeuge über uns hinweg, gestartet vom nahgelegenen Truppenübungsplatz Allentsteig. Plötzlich kommen uns im friedlichen Waldviertel Gedanken an all die vielen Kriege, die der­zeit im Gang sind. Wir stellen uns die Angst der Menschen vor, über die Flug­zeuge fliegen und ihre Bomben auf sie werfen. Wir denken an die Demonstratio­nen zur Abschaffung des Bundesheeres, an das Anti-Bundesheer-Volksbegehren in den 70er-Jahren – und an Bob Dylan’s Master of wars: »Komm du Meister des Krieges, der du die großen Kanonen baust, der du die großen Flugzeuge baust, der du all die Bomben baust, der du dich hinter Mauern versteckst, der du dich hinter Schreibtischen versteckst … und du machst dich aus dem Staub, wenn die Kugeln fliegen …«

Ein totsicheres Geschäft

Im Zusammenhang mit der Waffenpro­duktion stellen sich immer wieder Fragen: Gäbe es ohne die Rüstungsindustrie keine Kriege mehr? Gäbe es ohne die Lieferan­ten der Waffen eine friedlichere Welt ohne Amoklauf, Bandenkämpfe, Morde? Statistiken zeigen jedenfalls, dass es dort, wo weniger Waffen verfügbar sind, weniger Tote durch Waffengewalt gibt. Damit die Waffenproduzenten nicht auf ihren Erzeug­nissen sitzen bleiben, braucht es aber die Politik.

Politik und Waffenindustrie ergänzen einander. Zumindest eine Politik, mit geopo­litischen Interessen, eine Politik, die Men­schen gegeneinander aufhetzt, um ihre Macht zu erhalten. Es braucht Bedrohungs­szenarien, Nationalismus und Feindbilder. Die Rüstungsindustrie und Waffenproduk­tion hat kein Interesse an einer anderen Poli­tik. Ihr geht es ums Geschäft. Krupp lieferte im 2. Weltkrieg Waffen an Hitlerdeutschland und an die USA.

Österreichischer Exportschlager

Im kleinen Deutsch-Wagram in Niederöster­reich ist der Firmensitz des Marktführers unter den Handfeuerwaffenproduzenten, die Firma Glock. Hauptabnehmer der berühmten Glock-Pistole ist die USA. Dort tragen Zivilis­ten, Polizisten, Justizwachebeamte und Amokläufer Glock-Pistolen. Glock-Pistolen sind aber auch in allen Kriegs- und Krisenge­bieten im Einsatz. Jede Woche verlassen etwa 30.000 dieser Handfeuerwaffen die Produkti­onsstätten. Glock ist eines der 100 Unterneh­men der Waffen- und Munitionsproduktion in Österreich, die etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr erwirtschaften. Und sie schaffen Arbeitsplätze. »Als 2007 der Firma Glock der Export von Pistolen in den Irak untersagt wurde, drohte das Unternehmen, seine Pro­duktion in die USA zu verlagern – schon war die Genehmigung erteilt«1

Beste Freunde

In Kärnten residiert Gaston Glock, einer der Masters of war, Herr über ein weltweit agie­rendes Firmennetzwerk. Entscheidend für einen Waffenproduzenten sind die Exportge­nehmigungsverfahren. Es wäre ja nicht wei­ter schlimm, wenn FPÖ-PolitikerInnen bei den regelmäßig veranstalteten Springreit­tournieren der Familie Glock anwesend sind – wie Strache, Hofer und Hartinger-Klein im Februar bzw. Juni dieses Jahres. Jetzt, wo die FPÖ in der Regierung sitzt, sind die engen Verflechtungen zur Firma Glock, die schon auf die Ära Haider zurückgehen,

1 Christof Mackinger in Augustin Nr. 467, S 8

Gelesen 156 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 08 Mai 2019 16:39
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